Es gibt Orte, die einen sofort in ihren Bann ziehen und Girona im Norden Spaniens ist so einer. Die Altstadt leuchtet rotbraun in der Abendsonne, das Flüsschen Onyar schlängelt sich darunter durch und irgendwo riecht es immer nach Espresso und gutem Essen. Dann fährt jemand auf einem Gravelbike an einem vorbei: den Helm schief auf dem Kopf, das Bidon leer und ein Grinsen bis zu den Ohren auf dem sonnenverwöhnten Gesicht. Der oder die FahrerIn kommt von einer der Gravelbike-Touren rund um die Stadt, das sieht man und möchte direkt selbst losstarten ...
Girona ist in den letzten Jahren nämlich zur inoffiziellen Gravel-Hauptstadt Europas geworden. Nicht weil irgendwer das so beschlossen hat, sondern weil Profis aus aller Welt einfach angefangen haben, hier zu wohnen und zu biken. Die Gründe dafür sind ziemlich einfach nachzuvollziehen: Das Klima stimmt, die Infrastruktur stimmt und die Tracks sowieso. Hier gibt es anspruchsvollen Schotter, malerische Küstenstraßen, mittelalterliche Dörfer und Anstiege, die dich erst fertigmachen und danach so stolz hinterlassen, dass du dich kurz selbst umarmen könntest.
Unser CROSSCAMP Explorer Flo ist im Frühsommer 2026 im CROSSCAMP EXPLR nach Girona aufgebrochen und hat sich den Hype-Ort selbst angesehen – und erradelt, versteht sich. Zurück kam auch er mit einem Strahlen auf dem Gesicht und vier genialen Komoot-Touren im Gepäck, die wir gerne mit euch teilen möchten:
Das Kloster Els Angels thront über Girona, als gehört ihm der Berg. Tut es auch irgendwie und der Weg dorthin ist mindestens so gut wie die Aussicht oben.
Wer es richtig machen will, startet den Tag mit einem Kaffee im Eat Sleep Cycle Bikeshop. Dann rollt man durch die Gassen des Barri Vell, am Fluss entlang, raus aus der Stadt. Die Tour kommt langsam in Schwung mit flachem Einrollen durch die Ebenen nördlich von Girona, durch Wälder und über Felder. Das Gehirn schaltet ab und man kommt schnell in einen herrlichen Flow.
Den Berg umfährt man von der Ostseite auf die Westseite bis man das kleine mittelalterliche Dörfchen Madremanya erreicht. Hier beginnt der Gravelanstieg hoch zur Aussicht am Kloster. Durch pure Natur, mal flach, dann wieder bockssteile Meter, die kurz wehtun. Die Belohnung oben: eine Bank mit Aussicht. Hinsetzen, das Panorama fest vor dem inneren Auge abspeichern und durchatmen. Das hat sich aber sowas von gelohnt.
Die Abfahrt auf der Westseite ist genau so, wie Abfahrten sein sollen: kontrollierter Spaß in Richtung La Comuna Café. Besser kann ein Vormittag kaum enden.
Gut zu wissen: Perfekte Einstiegstour für den ersten Tag in Girona. Super zum Beine aufwärmen, die Stadt kennenlernen und den Hausberg erkunden.
Hier der Link zu Flos Komoot-Tour um den Hausberg Gironas.
Manchmal hat eine Tour einen Namen, der einfach alles sagt: Champagne Gravel. Das klingt schon genau nach dem, was es ist: leicht, prickelnd und besser als erwartet.
Diese Loop mit dem schönen Namen führt in die Sportstadt Banyoles, nördlich von Girona. Der Hinweg dorthin ist abwechslungsreich, leicht wellig und vergeht wie im Flug. In Banyoles angekommen, lohnt sich eine Extra-Runde um den See auf dem schönen Radweg am Ufer. Dann ab ins Café Aquarium mit der Pflichtbestellung eines Banana-Peanutbutter-Sandwiches. Mehr braucht man nicht vom Leben.
Frisch gestärkt geht es unterhalb des Roca Corba weiter. Ein markanter Hügel mit gut sichtbarem Funkmasten, den man aus der ganzen Gegend kennt. Immer wellig, auf kleinen Nebenstraßen, bis man wieder am Riu Ter in die Stadt einrollt.
Gut zu wissen: Ideal für einen entspannten Gravelday. Wer noch Kapazität hat: eine Runde um den See draufpacken und den Abend in Banyoles ausklingen lassen.
Hier der Link zu Flos Komoot-Tour "Champagne Gravel".
98 Kilometer, 1100 Höhenmeter und eine Küstenstraße, die fast zu schön ist, um wahr zu sein. Und weil das noch nicht genug ist, gibt es auch noch ein Café am Meer, an das man sich im Alltag nur zu gerne zurückdenkt. So geht ein Gravelday.
Los geht's Richtung Süden, raus aus Girona und runter zur Costa Brava. Auf feinsten Gravelwegen, seicht ansteigend, über Felder und alte Bahntrassen bis ans Meer und nach Sant Feliu de Guixols. Der Ort ist altertümlich, der Strand im Sommer eine unwiderstehliche Einladung zum Stopp. Unbedingt Badesachen einpacken! Das Café Anna wird von Pascal und seiner Frau Ana betrieben. Pascal, ein Spanisch-Schweizer, macht dort mit seinem Team erstklassigen Kaffee und bringt regelmäßig neue Kreationen auf die Karte. Es ist eines dieser Cafés, für die man allein schon hinfahren würde und auch sollte.
Danach darf man sich auf eine malerische Küstenstraße freuen. Kurvig, wellig und man will an jeder Bucht anhalten, um den Blick über das Mittelmeer schweifen zu lassen.
Am Abzweig zum Kloster Sant Grau beginnt der längere Anstieg, wahlweise auf Asphalt oder auf Schotter. Unterwegs unbedingt regelmäßig nach hinten schauen auf das türkis glitzernde Mittelmeer. Oben angekommen rollt die Strecke eine gute Weile bergab, bis man wieder in der Ebene ist und auf einer alternativen Radroute in die Game-of-Thrones-Kulissen von Girona eintaucht. So endet ein guter Tag auf dem Gravelbike.
Gut zu wissen: Im Sommer Badesachen und ausreichend Wasser mitnehmen. Die Tour ist lang genug, damit man am Abend das Gefühl hat, richtig etwas geschafft zu haben und schön genug, um sie nie zu vergessen.
Hier der Link zu Flos Komoot-Tour ans Meer und zurück nach Girona.
Achtung: Diese Tour ist nur etwas fortgeschrittene Gravelbiker. Wer das liest und trotzdem losfährt, weiß selbst, was er oder sie tut.
Das Traka in Girona ist mit rund 4.000 Startern das größte Gravel-Event Europas und Anfang Mai jedes Jahr das absolute Mekka für Gravelracer aus aller Welt. Diese Tour holt sich die besten Stücke aus dem legendären Traka200 Rennen und packt sie in einen einzigen, sehr anspruchsvollen Tag zusammen.
Einmal gestartet merkt man schnell: Hier fordern einem Höhenmeter und knackige Kurven alles ab. In steilem Auf und Ab geht es am Els Angels entlang, der Bergkette folgend auf die andere Seite. Unten gibt es eine kurze Verschnaufpause in der Ebene, bevor der zweite lange Anstieg kommt. Achtung: Ausreichend Getränke und Essen mitnehmen, hier ist man sehr remote unterwegs. Außerdem am besten immer den Standort mit Mitreisenden teilen und die Route offline speichern. Bei Kilometer 60 kann man im Notfall über Bisbal d'Emporda abkürzen.
Den zweiten Anstieg überwältigt, rollt die Trasse gut und flach die letzten 20 km zurück nach Girona. Dort wartet eine kühle Caña.
Gut zu wissen: Wer diese Tour fährt, erzählt danach davon. Das ist Empfehlung genug.
Was noch?
Girona ist nicht nur ein toller Startpunkt für Biketouren, sondern auch ein Erlebnis für sich. Der Barri Vell, die Altstadt, will zu Fuß erkundet werden mit ihren schmalen Gassen, Steinmauern und Türmen. Wer Game of Thrones gesehen hat, erkennt die Drehorte sofort. Abends, wenn die Sonne auf die bunten Häuser an der Onyar fällt, setzt man sich irgendwo hin und bestellt ein Glas Wein. Jetzt gibt es kein Programm mehr. Einfach zugucken und genießen, wie der Tag zu Ende geht.
Das ist Girona. Man kommt hin und versteht sofort, warum hier alle wiederkommen.
Hier der Link zu Flos Komoot-Tour auf den Spuren der Traka.
Girona hat sich in den letzten Jahren zur ersten Adresse für Gravelbiker auf dem Kontinent entwickelt, weil hier einfach alles zusammenkommt: ein mildes Klima, ein dichtes Netz aus Schotter- und Gravelwegen, kurze Anfahrten von Meer bis Gebirge und eine Rad-Infrastruktur, die weltweit ihresgleichen sucht. Profiteams und Weltklasse-Athleten haben hier ihre Trainingsbasis aufgeschlagen. Das Traka, das größte Gravel-Rennen Europas, hat seinen Start- und Zielort ebenfalls in Girona. Wer Gravelbiken ernst nimmt, kommt hier früher oder später vorbei.
Von März bis Juni und von September bis November ist Girona auf dem Rad am schönsten. Die Temperaturen sind angenehm, die Wege trocken und der Sommer-Tourismus hält sich in Grenzen. Im Juli und August wird es heiß, besonders auf langen Touren kann das zermürbend sein. Wer trotzdem im Sommer kommt, startet früh morgens und plant Badesachen für die Küstentouren ein. Der Frühling hat den Vorteil, dass Mitte April und Anfang Mai das Traka stattfindet und die Gravel-Community in der Stadt besonders lebendig ist.
Ein ordentliches Gravelbike mit Reifen ab 38 mm Breite reicht für die meisten Touren gut aus. Wer die Traka-Route fahren will, ist mit etwas breiteren Reifen (40-45 mm) und einem robusten Setup besser bedient. Die Wege variieren stark: von gepflegten Gravelwegen über alte Bahntrassen bis zu steinigem, steilem Anstieg. Ein guter Sattel und ausreichend Speicherkapazität am Rad für Wasser und Verpflegung sind auf den längeren Touren Pflicht, kein Nice-to-have.
Die vier Touren in diesem Artikel decken ein breites Spektrum ab. Die Champagne-Gravel-Runde nach Banyoles (53 km, 460 hm) ist entspannt und für geübte Freizeitfahrer gut machbar. Die Els-Angels-Runde (50 km, 640 hm) ist etwas anspruchsvoller, aber immer noch ein solider Einstieg. Die Meerestour (98 km, 1100 hm) erfordert Ausdauer und einen langen Atem. Die Traka-Route (103 km, 1800 hm) ist ausdrücklich nur für fortgeschrittene Gravelbiker, die Höhenmeter und remote Abschnitte gewohnt sind.
Der bekannteste Anlaufpunkt ist der Eat Sleep Cycle Bikeshop in der Innenstadt, ein Bikeshop mit Café-Atmosphäre, der von der Gravel-Community geliebt wird. Hier gibt es Werkstatt, Kaffee und meistens auch ein paar Gleichgesinnte, die man nach Streckentipps fragen kann. Wer sein Bike nicht mitnehmen will oder kann: Mietoptionen gibt es in Girona ebenfalls. Am besten im Voraus buchen, besonders rund um das Traka-Event Anfang Mai.
Ja und das ist einer der unterschätzten Gründe, warum Girona so beliebt ist. Eat Sleep Cycle eignet sich perfekt als Startpunkt mit Kaffee. Auf der Champagne-Runde lohnt das Café Aquarium in Banyoles mit dem legendären Banana-Peanutbutter-Sandwich. Auf der Küstentour ist Café Anna in Sant Feliu de Guixols von Pascal und seiner Frau Ana ein echter Stopp, für den man allein schon hinfahren würde. Auf der Traka-Route hingegen ist man auf langen Abschnitten sehr remote unterwegs, dort heißt es: selbst ausreichend Essen und Trinken mitnehmen.
Girona ist für eine spanische Stadt mit diesem Erlebnispotenzial vergleichsweise erschwinglich. Flüge aus deutschen Großstädten nach Barcelona oder Girona direkt gibt es oft schon ab 60 bis 120 Euro. Unterkünfte in der Altstadt kosten je nach Komfortanspruch zwischen 60 und 180 Euro pro Nacht. Wer sein Rad mitnimmt, zahlt je nach Airline einen Aufpreis, der sich in der Regel lohnt. Für Kaffee, Essen und ein Bier nach der Tour gibt man deutlich weniger aus als in Mitteleuropa.
Grundsätzlich ja, vor allem für die kürzeren Touren wie die Els-Angels-Runde oder die Champagne-Gravel-Strecke macht ein E-Gravelbike absolut Sinn. Auf der Traka-Route sollte man den Akkustand im Blick behalten, die remote Abschnitte sind lang und Ladestationen sind unterwegs keine zu erwarten. Wer mit E-Bike unterwegs ist, plant am besten eine Powerbank oder ein zweites Akku ein und stimmt die Tour entsprechend ab.